Wissenswertes über Pollen und Propolis

Propolis

Propolis ist eine harzartige Substanz, die Honigbienen herstellen, um ihren Bienenstock abzudichten und zu schützen. Der Name kommt aus dem Griechischen: pro polis = „vor der Stadt“, also „Schutz der Vorstadt“ – hier ist der Schutz des Bienenstocks gemeint.

Propolis ist kein einzelner Stoff, sondern ein komplexes Naturstoffgemisch mit über 300 identifizierten Bestandteilen. Welche Bestandteile genau in welcher Menge in Propolis vorkommen, ist immer auch abhängig von der Aktivität und der Umgebung der Honigbienen: Es kommt darauf an, welche Grundstoffe für das Propolis in der Nähe des Bienenstocks zu finden sind.

Was weißt die Wissenschaft über die Wirksamkeit von Propolis?

Eine gewisse Wirkung von Propolis gegen Bakterien, Viren und andere Mikroorganismen ist in Laborexperimenten und Analysen wie der von Michael Wink und seinem Team belegt. Will man sich in Studien die sogenannte klinische Wirkung anschauen, also die Wirkung auf den Menschen, wird es schnell kompliziert. Das muss nicht daran liegen, dass die Wirkung hier schlechter ist – es ist wegen vieler Einflussfaktoren schwieriger, eine bestimmte Wirkung direkt der Propolis zuzuschreiben.

„Es gibt durchaus aber auch eine Reihe von klinischen Studien, die Propolis bei der lokalen Anwendung eine gewisse Wirkung bescheinigen“, sagt Dr. Matthias Melzig, pensionierter Professor für pharmazeutische Biologie an der Freien Universität Berlin. So zeigen etwa Studien[2], dass durch eine Krebstherapie verursachte Entzündungen der Mundschleimhaut durch die Nutzung von Propolis-Mundspüllösungen schneller zurückgehen. Eine Studie[3] mit Placebo-Kontrollgruppen (also einer Gruppe Menschen, die kein Propolis bekommen haben) konnte auch belegen, dass Propolis-Extrakte in Form eines Sprays gegen Infektionen der oberen Atemwege mit Symptomen wie Schnupfen, Halsweh und Heiserkeit helfen können.

Quellen

  • [1] AL-Ani I, Zimmermann S, Reichling J, et al.: Antimicrobial Activities of European Propolis Collected from Various Geographic Origins Alone and in Combination with Antibiotics. https://www.mdpi.com/… (Abgerufen am 31.10.2025)
  • [2] Kuo C-C, Wang R-H, Wang H-H, et al. : Meta-analysis of randomized controlled trials of the efficacy of propolis mouthwash in cancer therapy-induced oral mucositis . https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/… (Abgerufen am 31.10.2025)
  • [3] Esposito C, Garzarella E, Bocchino B, et al.: A standardized polyphenol mixture extracted from poplar-type propolis for remission of symptoms of uncomplicated upper respiratory tract infection (URTI): A monocentric, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/… (Abgerufen am 31.10.2025)
  • Balasubramaniam A, Elangovan A, Rahman M, et al.: Propolis: A comprehensive review on the nature’s polyphenolic wonder. https://www.sciencedirect.com/… (Abgerufen am 31.10.2025)
  • Ali M, Basma M, Ghoname, et al.: Original article Significance of topical propolis in the treatment of facial acne vulgaris. https://journals.lww.com/… (Abgerufen am 31.10.2025)
  • Verbraucherzentrale: Propolis für ein stärkeres Immunsystem?. https://www.verbraucherzentrale.de/… (Abgerufen am 31.10.2025)

Aktuelle Studienlage und Anwendungsgebiete

  • Wundheilung: Systematische Übersichten und Metaanalysen deuten darauf hin, dass Propolis eine vielversprechende Option zur Behandlung von akuten und chronischen Wunden sowie Verbrennungen sein könnte, oft mit stärkeren Effekten bei kombinierter Anwendung. Bisherige Humanstudien sind jedoch seltener als Tierversuche.
  • Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Aufgrund seiner antimikrobiellen und entzündungshemmenden Wirkung wird Propolis traditionell und in kleineren Studien bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.
  • Parodontaltherapie: In der Zahnmedizin wird Propolis als potenzielle Alternative oder Ergänzung zu Antibiotika in der Parodontaltherapie diskutiert.
  • Atemwegserkrankungen: Eine systematische Übersichtsarbeit untersucht das Potenzial von Propolis als primäre oder ergänzende Therapie bei Erkrankungen der Atemwege.
  • Magen-Darm-Trakt: Vielversprechende präklinische Studien deuten auf positive Effekte bei entzündlichen Magen- und Darmerkrankungen und auf das Darmmikrobiom hin, indem es schädliche Bakterien verdrängt.
  • Immunmodulation: Studien deuten darauf hin, dass Propolis das Immunsystem modulieren und stärken kann.
  • Krebsforschung: Laborexperimente zeigen krebshemmende Eigenschaften bestimmter Propolis-Inhaltsstoffe, aber es fehlen bisher klinische Studien am Menschen. 

Blütenpollen

Blütenpollen werden aufgrund ihres Nährstoffreichtums als „Superfood“ betrachtet und in der traditionellen Apitherapie vielseitig eingesetzt.

Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Pollen eine Fülle von bioaktiven Substanzen enthalten, die verschiedene positive Wirkungen auf den menschlichen Körper haben können, jedoch ist die Studienlage beim Menschen oft noch begrenzt. 

Potentielle Wirkungen auf den menschlichen Körper

  • Nährstoffversorgung: Blütenpollen sind extrem nährstoffreich. Sie enthalten fast alle essenziellen Aminosäuren, eine Vielzahl von Vitaminen (A, C, E), Mineralstoffen (Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen) und Spurenelementen. Diese Dichte kann helfen, Mangelerscheinungen bei unausgewogener Ernährung auszugleichen.
  • Entzündungshemmende Eigenschaften: Studien belegen, dass Pollen entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzen. Dies kann bei chronischen und akuten Entzündungen sowie zur Bekämpfung von oxidativem Stress im Körper von Vorteil sein.
  • Immunstärkung und antibakterielle Wirkung: Die Inhaltsstoffe können das Immunsystem modulieren und stärken. Es wurden natürliche antibiotische und fungizide (pilzabtötende) Eigenschaften nachgewiesen, die dem Körper helfen können, Infektionen abzuwehren.
  • Prostatagesundheit: Klinische Studien haben eine positive Wirkung von Pollenextrakten bei nicht-bakteriellen Entzündungen der Prostata (Prostatitis) und gutartiger Prostatavergrößerung (BPH) gezeigt, indem sie Symptome lindern konnten.
  • Linderung von Wechseljahresbeschwerden: Einige Studien deuten darauf hin, dass die im Pollen enthaltenen Flavonoide östrogenmodulierend wirken und menopausale Symptome wie Hitzewallungen reduzieren können.
  • Wundheilung und Hautgesundheit: Aufgrund seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften kann Pollenextrakt die Wundheilung unterstützen und zur Hautgesundheit beitragen, indem er beispielsweise vor UV-Strahlung schützt und die Hautfeuchtigkeit bewahrt. 

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Allergierisiko: Der Kontakt mit Pollen ist die Hauptursache für allergische Reaktionen wie Heuschnupfen. Bei der Einnahme von Blütenpollen, insbesondere bei bekannten Pollenallergien, besteht das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock. Allergiker sollten unbedingt ärztlichen Rat einholen.
  • Fehlende großangelegte Humanstudien: Obwohl viele Labor- und Tierversuche vielversprechend sind, fehlen oft noch großangelegte, klinische Humanstudien, um viele der traditionell zugeschriebenen Wirkungen eindeutig zu belegen.
  • Qualität und Zusammensetzung: Die genaue Zusammensetzung von Blütenpollen variiert stark je nach Pflanzenart, geografischer Herkunft und Klima, was die Standardisierung und Vergleichbarkeit von Produkten erschwert.
  • Rechtlicher Status: Blütenpollen sind in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel eingestuft, nicht als Medikament. Daher dürfen Hersteller keine spezifischen Heilversprechen machen.

Blütenpollen sind ein nährstoffreiches Naturprodukt mit vielversprechenden Eigenschaften, deren Einsatz jedoch mit Vorsicht, insbesondere bei Allergien, erfolgen sollte. 

Innerhalb eines Bienenvolkes gibt es eine strikte Arbeitsteilung und körperliche Unterschiede, die durch die Kastenbildung (Königin, Arbeiterin, Drohne) bestimmt werden. Diese Kastenunterschiede sind sowohl genetisch bedingt (Geschlecht) als auch durch die Ernährung während der Larvenentwicklung (Königin vs. Arbeiterin) festgelegt.